Der richtige Spürsinn bei Kreativbewerbungen

Von heißen Transen und Schweineschwarten.

Das Studium erfolgreich beendet, der Wunsch nach einer höheren Position oder einem beruflichen Tapetenwechsel – diese Situationen haben eines gemeinsam: Bewerbungen schreiben!

Bei einer solch großen Anzahl von Mitstreitern will man natürlich auffallen um jeden Preis. Nun steht also die Frage im Raum: Wie bleibe ich im großen Meer kein kleiner Fisch? Gerade in der Kreativbranche sind Bewerber häufig der Meinung, dass die Unterlagen gleichzeitig eine Art Arbeitsprobe darstellen, weshalb sie nicht selten versuchen, ein Feuerwerk der Ideen zu zünden.

Auf Biegen und Brechen kreativ sein?

Die Bewerbung sollte in erster Linie die eigene Persönlichkeit unterstreichen und zur Branche, Unternehmenskultur sowie der zu besetzenden Stelle passen. Des weiteren muss die Kreativbewerbung einen “Aha-Effekt“ erzielen, der dem Entscheider Lust auf mehr macht.

Wir, zwei Studentinnen, die in wenigen Wochen die Vorlesungszeit hinter sich lassen, stehen genau vor dieser Herausforderung. Deshalb haben wir uns auf Recherche begeben und im Netz nach Ideen geschnuppert.

Zunächst fällt uns auf, dass es definitiv häufiger schlechte als gute Kreativbewerbungen gibt. Insbesondere die schlechten wollen wir Euch keineswegs vorenthalten. Zum einen aus Gründen der Unterhaltung und zum anderen als Beispiel, wie man es keineswegs machen sollte.

Wir präsentieren also an dieser Stelle, leicht beschämt aber mit einem breiten Grinsen, unser persönliches …

Bullshit-Ranking der Kreativbewerbungen:

Konfetti-Rosenbombe für Anfänger

Eröffnet wird unser „Bullshit-Ranking“ von dem Klassiker unter den Kreativbewerbungen, die Konfetti-Rosenblätter-Bombe, die jeden sofort ins Aus manövriert. Es ist leider so gar nicht kreativ, einen halben Karnevalszug aus einem Briefumschlag springen zu lassen und auch künstlich duftende „Rosenblätter“ sind definitiv OUT!

Gammelskandal im Agenturoffice

Jung von Matt hat wirklich schon einiges erleben dürfen! Eine junge Dame schickte vor Ostern ihre Bewerbung inklusive eines beigefügten Pakets mit regionalen Leckereien aus Hessen – mit der Aufschrift „Hessische Kreative will nach Hamburg“ von Frankfurt zu Jung von Matt nach Hamburg. Leider war ihr Timing nicht das beste und ihr Fresspaket stand die kompletten Feiertage über ungeöffnet in der Werbeagentur. Als nach den Osterfeiertagen das Paket nichts ahnend geöffnet wurde, stank alles ganz furchtbar und ihre Bewerbung wurde ungenießbar. Wir sagen – kein schlechter Ansatz, aber nicht konsequent durchdacht.

Ziegelsteine, alte Schuhe und Konsorten

Auch die ganz schlauen Sprüche werden gerne einmal ausprobiert, stoßen jedoch tendenziell auf Granit und ernten eher Gespött als jubelnden Respekt. Seine Bewerbungsmappe mit einem Ziegelstein zu versehen und dann auch noch mit dem Spruch zu schmücken „Ich habe bei Ihnen nun einen Stein im Brett“ oder das gleiche Szenario, anstelle des Ziegelsteins einen alten Schuh zu benutzen mit den Worten „Ich habe nun bei Ihnen den Fuß in der Tür“ – ein absolutes „No Go“. Wer das macht und denkt er sei kreativ, hat vermutlich seinen Beruf verfehlt.

Abkühlung nach heißer Nummer

Individuelle und selbstüberzeugte Ideen können auch ganz schnell nach hinten losgehen, wie das Beispiel einer Bewerberin zeigt, die einer Werbeagentur einen Föhn bei ihrer Bewerbung schickte mit der Copy „Ich bringe frischen Wind in Ihr Unternehmen.“ Die Antwort kam prompt: „Heiße Luft können wir selbst produzieren“. Von uns gibt es für diese Aktion ein dickes fettes „AUTSCH!“ Wenn das mal kein Return der gehobenen Klasse war.

Ab durch die Schweineschwarten!

Zuletzt haben wir noch einen Knaller in petto, der Euch aus den Latschen haut. Die Personalchefin einer renommierten Werbeagentur musste mithilfe eines  Schlachtermessers in einem Schuhkarton voll Gelatine nach dem laminierten Anschreiben wühlen. Das Resultat – eine riesen Sauerei auf dem Schreibtisch und keine Einstellung!

Kaum zu fassen, was es für kuriose Einfälle gibt. Noch überraschender ist das Maß an Selbstbewusstsein und Überzeugung, welche den Versand einer solchen Bewerbung erfordert.

Um das Niveau und die Qualität dieses Beitrages zu heben, kommen wir an dieser Stelle nun zu den positiven Beispielen. Ihr wollt Euch kreativ bewerben? Bitteschön! Nachfolgend die …

Highlights erfolgreicher Kreativbewerbungen:

Eine eigene Spielwiese schaffen.

Die Nutzung neuer Medien kann auch im Bereich der Bewerbung sinnvoll angewendet werden. Eine eigene Website bietet eine gute Chance der Selbstvermarktung. Prinzipiell sind dort die gängigen Unterlagen zu hinterlegen, die auch eine schriftliche Bewerbung erfordert. Der Vorteil liegt allerdings in der kreativen Ausgestaltung. Es können Arbeitsbeispiele hinterlegt und grafische Möglichkeiten genutzt werden. Eine nette Idee, wobei man sich damit noch keinen Knochen verdient.

Daher nur ein kleines Leckerli von uns!

Thanks Mr. Zuckerberg!

Was mit einem sozialen Netzwerk begann, nimmt mittlerweile ein Ausmaß der besonderen Art an. So nutzte Brandon Kleinman seinen Facebookaccount als Bewerberprofil, indem er sein Fotoalbum durch eine Bilderserie ergänzte, die ihn und seine Fähigkeiten abbildete. Mit wenig Aufwand einen guten Eindruck gemacht. Wir finden es gut, deshalb gibt es von uns für diese Idee einen von fünf Knochen! (Quelle: http://www.secretsites.de)

Dave Berzack got the flow!

Der Beweis dafür liefert das Bewerbungsvideo des Freelancers und Hip-Hoppers aus Amerika. Im Song baut er geschickt diverse Kürzel ein und kommuniziert: „Er wolle dem potenziellen Arbeitgeber zum großen Geld verhelfen“. Allein der Tweet zu seinem Video, hat binnen kürzester Zeit hunderte Internetnutzer erreicht! Hier bedarf es nicht vielen Worten. Dreht die Regler hoch und überzeugt Euch selbst! Wir finden es top und vergeben drei von fünf Knochen!

Sex sells …

… das zeigt auch die nachfolgende Bewerbung, die im Hause Jung von Matt einging. Die Agentur ist bekannt für ihre kreativen und witzigen Jobausschreibungen. Sie war damals auf der Suche nach einem Mitarbeiter im Bereich Text und suchte on Top scherzhaft nach der legendären Sexbombe Pamela Anderson – als Empfangsdame. Gefundenes Fressen für den Bewerber Thomas Wildberger. Er entdeckte seine feminine Seite und ließ sich im Pam-Style ablichten. Die Bilder, die ihn mit blonder Perücke, rotem Badenazug und Silikonbrüsten zeigten, schickte er nach Hamburg. Dazu ein Text mit dem Inhalt: “Da Sie nach einigen Tagen ohnehin bemerken würden, dass ich nicht Pamela Anderson bin, wäre es vielleicht doch besser, mich als Texter einzustellen“. Eine kreative Idee, die für den Humor und das Talent des Bewerbers spricht! Wildberger bekam den Job und wurde kurze Zeit später sogar zum Kreativdirektor ernannt. Von uns gibt es hierfür ein “Daumen hoch“ und vier von fünf Knochen!

Use the ego and become a hero!

Ein treffendes Motto für unsere Nummer 1! Das eigene Ego ist auch unter Kreativchefs sensibel. Es ist kein Geheimnis, dass viele Leute ihren Namen „googeln“ um so Informationen über die eigene Person zu erhalten. Dazu zählen natürlich auch die Chefs der Kreativbranche. Eine wertvolle Erkenntnis für den Bewerber Alec Brownstein. Er schaltete eine Anzeige bei Google AdWords und wählte die Namen seiner relevanten Ansprechpartner aus, die allesamt in den großen New Yorker Agenturen saßen. Gab einer der Ansprechpartner seinen eigenen Namen bei Google ein, so erschien an erster Stelle die Anzeige mit dem Text: “Google yourself is a lot of fun. Hiring me is fun, too“. Ergänzend der Verweis auf seine Website. Von fünf AdWords Kampagnen wurde er vier Mal zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Daraus resultierten zwei Jobangebote. Letztlich landete er bei der renommierten Agentur Young & Rubicam in New York. Seine Idee verhalf ihm nicht nur zu einem Job, sondern auch zu mehreren Kreativawards. Verdient sagen wir, und vergeben die volle Belohnung – fünf von fünf Knochen!

Unser Spürsinn

… hat uns nicht getäuscht – amüsante, skurrile und wirklich beeindruckende Ideen haben wir gefunden, die uns ein Gefühl dafür geben konnten, wie wir selbst in Zukunft vorgehen möchten. Nachdem nun die vielfältige Welt der Kreativbewerbungen durchstöbert und analysiert wurde, kommen wir zu unserem Ergebnis:

Die goldene Regel ist, die Idee gut zu durchdenken und präzise zu planen. Nur so erhält man ein in sich stimmiges Gesamtkonzept, das zum Erfolg führen kann. Vor allem muss man sicher sein, dass es dem Adressaten zusagt. “Möchtegern“-Kreativbewerbungen werden sofort entlarvt und nerven. Wir empfehlen daher, nur solche Ideen umzusetzen, die die eigene Persönlichkeit kreativ aber auch authentisch zum Ausdruck bringen. Ansonsten könnte es peinlich werden!

Jetzt seid ihr gefragt! Es würde uns brennend interessieren, was Eure Meinung dazu ist! Ob Absolventen, Branchenköpfe, Personaler oder andere Kreativgeister – wir sind hungrig nach Meinungen, Tipps, Best Practice-Beiträgen und Diskussionen rund um das Thema „Kreativbewerbungen“.

Hier kläffen für euch:

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4 Kommentare zu Der richtige Spürsinn bei Kreativbewerbungen

  1. Enrico sagt:

    Geniales Ranking, besonders bei der Gelatine-Nummer musste ich doch heftig lachen 😀

    Da wir das Thema gerade durch haben: Bewerbungen müssen immer für den Empfänger verständlich sein und dürfen keinesfalls Probleme verursachen. Wer mir meinen Schreibtisch versaut hat per se keine Chance auf den Job, egal wie gut oder schlecht die Bewerbung am Ende war.

    Soll heißen: Denkt bei jeder Bewerbung auch an den armen Menschen der diese öffnen, lesen & bewerten muss.

  2. Tim sagt:

    Schöner Beitrag! Besonders mutig finde ich den Badeanzug…

    Dazu passt meine Personality-PR auf Facebook – ich hoffe, damit stehe ich bei Euch bei den Best-Practice-Beispielen 😉

    Neugierig? https://www.facebook.com/pages/Marketing-Absolvent-mit-Talent-sucht-Job/184717421616887

  3. Jennifer sagt:

    @Enrico: Da bin ich ganz Deiner Meinung! Ich bin gerade mitten in der Bewerbungsphase und finde, man sollte wirklich jede Bewerbung individuell auf den jeweiligen Arbeitgeber abstimmen. Saatchi & Saatchi hat schließlich einen anderen Anspruch wie eine kleine Agentur um die Ecke. Das bedeutet zwar sehr viel Arbeit, zahlt sich jedoch hoffentlich aus. 🙂

    @Tim: Gute Idee! Mich würde mal interessieren wie so die Resonanz aussieht. Findet die Seite Akzeptanz oder gab es bisher noch kein Feedback?

  4. Bernd Strauß sagt:

    Danke für die amüsante Lektüre . Falls ihr selber mal ne Bewerbung wegschicken wollt, kann allerdings ein wenig Grammatik nicht schaden: bei Berzaks Beitrag bedarf es nicht vieler Worte, um sich korrekt auszudrücken (bin zwar kein Lehrer, habe aber einen genetisch determinierten „Oberlehrer-Reflex“). Gruß Bernd ! Ich suchte eigentlich eine Bewerbung einer Schülerin, die vir einem jäh mal auf Facebook rumgereicht wurde, wenn ihr die findet, wäre ein Hinweis Klasse. Gruß Bernd!

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